Workshop in der Gedenkstätte für Opfer des Nationalsozialismus und Besuch der Bonner Synagoge

Nur selten vermag ein Schultag eine solche Resonanz auszulösen. Wir traten am Morgen des 4. Novembers nicht nur eine kleine Reise durch die Stadt an, sondern warfen auch einen Blick in die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte.

Der erste Teil der Exkursion führte uns zunächst in den Räumen der Gedenkstätte in die grauenvolle Vergangenheit des Jahres 1938. Hier wurden uns Einblicke in das Schicksal der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland während der NS-Zeit ermöglicht. Dies geschah u.a. exemplarisch durch die Auseinandersetzung mit den tragischen Ereignissen rund um Herschel Grynszpan und seine Familie.

Wir wurden in thematische Arbeitsgruppen aufgeteilt – eine Notwendigkeit, um die Komplexität jener Epoche zu verstehen. Ob es um die Hintergründe der Novemberpogrome, um propagandistische Mechanismen oder deren Entschlüsselung ging: Jede Gruppe beschäftigte sich intensiv mit ihrer eigenen spezifischen Unterthematik. Bei der anschließenden Präsentation der Gruppenergebnisse, waren wir von den Hintergründen der Reichspogromnacht verblüfft und entsetzt.

Der zweite Teil der Exkursion war ein Wandel: der Wandel vom Dunkel der Vergangenheit in das Licht der Gegenwart und zum heutigen Leben jüdischer Mitbürger in Bonn.

Wir wurden in der Bonner Synagoge herzlich von einem engagierten und sehr freundlichen Mitglied der jüdischen Glaubensgemeinschaft empfangen. Er gewährte uns einen warmherzigen Einblick in das jüdische Leben in unserer Stadt. Es war eine horizonterweiternde Erfahrung, die Rituale und die alltäglichen Herausforderungen kennenzulernen, welche diese Gemeinschaft in der modernen Welt prägen.

Dieser Dialog war die perfekte Antithese zur Schwere des Vormittags. Er zeigte uns, dass das Judentum nicht in der Geschichte gefangen ist, sondern als lebendige Gemeinschaft mit Zukunft in Bonn lebt.

Was bleibt von dieser zweiteiligen Exkursion?

Jener Tag war ein unvergesslicher Appell an unser Gewissen. Er lehrte uns, dass die Erinnerung an die Barbarei des Nationalsozialismus untrennbar mit der aktiven Solidarität für das heutige jüdische Leben in unserem Land verbunden ist. Diese Aufgabe stellt sich jedem einzelnen von uns. 

(Hannes Klemmer 9b, Robert Wick 9b)