Wie sieht der Alltag an einer Schule aus, die trotz der ständigen Bedrohung durch den Krieg versucht, Normalität zu bewahren? Und wie bleibt man über diese Distanz hinweg im Gespräch? Mit diesen Fragen traf sich unser Geschichts-LK der Q1 am 22. Mai 2026 zu einer zweiten Videokonferenz mit den Schülerinnen und Schülern des Lyzeums Nr. 71 aus Saporischschja. Nach unserem ersten Kennenlernen im vergangenen Winter wollten wir diesmal mehr darüber erfahren, wie sich ihr Leben seitdem verändert hat.
Schon zu Beginn überraschten uns die ukrainischen Schülerinnen und Schüler mit einem selbst gestalteten Video, in dem sie uns zu unserem 400-jährigen Schuljubiläum gratulierten. Auf Deutsch und Englisch wünschten sie dem Beethoven-Gymnasium alles Gute für die Zukunft. Dass Jugendliche, die selbst unter Kriegsbedingungen leben, sich die Zeit für eine solche Vorbereitung genommen hatten, beeindruckte uns sehr.
Im weiteren Verlauf erzählten sie uns etwas über ihre Schule. Das Lyzeum Nr. 71 wurde 1954 gegründet und ist heute für seinen Fremdsprachenunterricht bekannt.
Besonders bewegend war der Moment, als wir fragten, ob sich ihre Situation seit unserem letzten Treffen verändert habe. Die Antwort kam ruhig und gefasst: Die allgemeine Lage habe sich nicht grundlegend geändert. Trotzdem versuchten sie jeden Tag weiterzumachen, zu lernen und sich auf ihre Zukunft vorzubereiten.
Für die älteren Schülerinnen und Schüler steht im Juni eine intensive Phase bevor: die NMT-Tests, die ukrainischen Abschlussprüfungen. Direkt danach beginnt die Bewerbung um Studienplätze. Einer der Schüler brachte es auf den Punkt: „We won’t have rest, unfortunately, in July after our exams.“ Erst dabei wurde uns bewusst, wie außergewöhnlich diese Form von Alltag eigentlich ist.
Den vielleicht schönsten Moment des Treffens hatten wir uns für den Schluss aufgehoben. Fast beiläufig erwähnten die ukrainischen Schülerinnen und Schüler, dass sie noch ein weiteres Video vorbereitet hätten. Kurz darauf hörten wir Klavier: Eine 14-jährige Schülerin spielte einen Satz aus Beethovens fünfter Klaviersonate. Trotz der großen Entfernung war das ein Moment, der vielen von uns in Erinnerung bleiben wird.
Am Ende zeigte sich, was aus diesem Kontakt inzwischen geworden ist. Es fühlt sich nicht mehr wie ein offizieller Austausch an. Die Fragen gingen tiefer, ebenso die Antworten. Man merkt, dass auf beiden Seiten echtes Interesse besteht. Dieser Austausch schafft Verbindungen zwischen Menschen, die unter sehr unterschiedlichen Bedingungen aufwachsen. Den Schülerinnen und Schülern in Saporischschja wünschen wir für ihre Prüfungen im Juni viel Erfolg.
Von David Alumyan und Peer Thormeier