„Masel Tov Cocktail“

Am Dienstag, den 24. Juni 2025, nahmen 35 Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 10c und der EF an einer von der Synagogengemeinde Bonn organisierten Filmvorführung mit anschließendem Gespräch teil. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Jüdischen Kulturwoche statt. Der dort gezeigte Kurzfilm „Masel Tov Cocktail“ handelt von dem jüdischen Jugendlichen Dima, der von seinem Mitschüler antisemitisch beleidigt wird, und diesem daraufhin die Nase bricht. Der Schüler muss wegen seiner Äußerungen Stolpersteine in der Stadt putzen – Dima soll sich dennoch entschuldigen.

Besonders eindrucksvoll war die Kommunikation mit dem Zuschauer. Dima spricht den Zuschauer direkt an, was sehr nah wirkt und zum Nachdenken im Hinblick auf den Umgang mit jüdischen Mitmenschen anregt. In dem Film wird der unterschwellige, alltägliche Antisemitismus deutlich: die Reduzierung der Juden auf die NS-Zeit oder gut gemeinte Aussagen, die keine sind. Ein Beispiel dafür ist die Szene, in der Dima mit einem seiner Mitschüler spricht. Als dieser erfährt, dass Dima Jude ist, versucht er, sich zu rechtfertigen, und behauptet, dass seine Familie während des NS-Regimes Juden geholfen habe. (30 % der Deutschen glauben, dass ihre Familie Juden in der NS-Zeit geholfen hat – in Wahrheit waren es weniger als 0,1 %). Das eigentlich Perfide an der Sache: Dimas Familie kommt aus der UdSSR (wie übrigens 90 % der in Deutschland lebenden Juden) und hatte nichts mit den Nazis zu tun.

Anschließend gab es ein spannendes Gespräch mit einem jungen Rabbiner aus Offenbach und dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Bonn. Der Rabbiner ist vor allem für die jungen Menschen in seiner Gemeinde zuständig, beispielsweise in Form seelsorgerischer Angebote. Auf die Frage, inwieweit er Antisemitismus erfahre oder mitbekomme, antwortete er, dass es vor allem Jugendliche betreffe. Zu meinem Erschrecken sagte er außerdem, dass er in den meisten Fällen von Antisemitismus den Schulwechsel empfehle. Deshalb betonte er auch, dass Antisemitismus an vielen Schulen unter den Teppich gekehrt, und Probleme nicht anerkannt werden.

Über das Gespräch hinweg kamen Jugendliche natürlich immer wieder als Thema auf. So erklärte uns der Rabbiner auch, welche Bedeutung der 7. Oktober 2023 – der größte Massenmord an Juden seit der Shoah – für die jüdische Jugend in Deutschland hatte. Er beschrieb ihn als eine Erschütterung des Alltags. Das wird besonders deutlich, wenn man sich die Folgen klarmacht: Man kann in Deutschland nicht mehr mit einem Davidstern auf die Straße gehen, ohne Angst haben zu müssen, attackiert zu werden.

Schließlich kam die Frage auf, welche Hoffnungen er für die Zukunft habe. Er hofft, dass es in Zukunft ein normales Zusammenleben in Deutschland geben kann, ohne dass Polizeiautos vor Synagogen stehen müssen, ohne dass Juden Angst um ihre Identität und Sicherheit haben müssen und sich so die jüdischen Gemeinden auch öffnen können.

Tilman Imhäuser EF