Anlässlich der Vorbereitung der Studienfahrt nach Polen im Oktober 2026 besuchte ein Teil der Stufe Q1 am 16. Juli 2026 das Haus Schlesien.
Um erst einmal einen generellen Einblick in die schlesische Geschichte zu bekommen, gab es zunächst eine Führung durch die Dauerausstellung. Diese vermittelte mithilfe von historischen Gemälden, alten Landkarten und alltäglichen Gegenständen eindrucksvoll die vielseitige Geschichte der Region.
Neben der klassischen Führung gab es dabei auch die Möglichkeit, die damalige Zeit über interaktive Elemente noch etwas näher kennen zu lernen.
Zu diesem rudimentären geschichtlichen Vorwissen kamen im folgenden Teil noch sehr konkrete persönliche Eindrücke und Emotionen hinzu.
Wir hatten die Gelegenheit, mit einem Zeitzeugen über die Themen Flucht und Vertreibung aus Schlesien zu sprechen. Bruno Stefan, der im April 1937 in der Nähe von Breslau geboren wurde, hatte sich freundlicherweise bereiterklärt, seine Lebensgeschichte mit uns Schülern zu teilen. Neben herzerwärmenden Erinnerungen und schweren Schicksalsschlägen zog er vor allem durch seine sehr nahe und persönliche Erzählweise jeden Einzelnen von uns schnell in seinen Bann.
Er berichtete von der dramatischen Vertreibung seiner Familie, der schleichenden Entfremdung von seiner Heimat, den eindringlichen Begegnungen mit den Soldaten und den Hürden des Neuanfangs als Kind von Vertriebenen in Niedersachsen.
Um uns das Thema Vertreibung noch greifbarer zu machen, lud er uns zu einem spontanen Perspektivwechsel ein.
Er gab uns ein leeres Blatt Papier und zehn Minuten Zeit, um alles aufzuschreiben, was wir bei einer erzwungenen Abreise innerhalb oft auch nur weniger Minuten aus unserem eigenen Zuhause mitnehmen würden.
Durch diese scheinbar einfache und doch komplexe Übung wurde uns erst richtig bewusst, in welch auswegloser Lage sich die Menschen damals befanden. Denn genau vor solchen Entscheidungen standen die durch die Rote Armee vertriebenen Menschen damals von einer Minute auf die andere.
Herr Stephan betonte, dass es ihm immer noch sehr wichtig ist, Schülergruppen von seinen Erfahrungen zu berichten.
Er verbindet damit die Hoffnung, das Bewusstsein, dass es keine Kriege mehr geben dürfe, in der jungen Generation zu vertiefen. Einige Schüler sprachen mit ihm auch nach dem Ende des Vortrags, während der Pause noch angeregt weiter.
Um unsere Einblicke abzurunden, durften wir schließlich selbst noch einmal aktiv werden. In kleineren Gruppen ging es darum, ausgewählte Ausstellungsstücke, Biografien und Statuen genauer zu untersuchen und den anderen vorzustellen. Neben Fluchtwagen, die original aus dieser Zeit stammten, und Personen, die diese Zeit prägten, gab es auch Sagengestalten zu entdecken, wie „Rübezahl“, die ein fester Bestandteil der schlesischen Kultur ist und noch heute in Geschichten und Filmen auftaucht.
Auf diese Weise wurde zum Abschluss noch einmal deutlich, wie vielseitig die Kultur und Geschichte Schlesiens ist und wie sehr sie zugleich Teil der deutschen und der polnischen Geschichte ist.
Jan Hövel (Q1)