Shoah – der Versuch eines angemessenen Gedenkens

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar fand am Beethoven-Gymnasium bereits zum 15. Mal eine Gedenkveranstaltung, von und für Oberstufenschüler*Innen statt, um an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu erinnern. Dieses grausame Ereignis vor mehr als 80 Jahren sollte uns gerade heute als Mahnung dienen.

Wie bei den vorangegangenen Veranstaltungen wurde diese Gedenkstunde auch diesmal von Schülerinnen und Schülern eines der Geschichtsleistungskurse vorbereitet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen verschiedene Biografien von Menschen, die die Hölle der Shoah erleben mussten oder ihr auch zum Opfer fielen. Durch diese persönlichen Lebensgeschichten wurde deutlich, dass hinter den unvorstellbar hohen Opferzahlen einzelne Menschen mit Hoffnungen, Familien und Zukunftsplänen standen.

Die vorgestellten Biografien zeigten besonders eindrucksvoll, wie brutal und plötzlich diese Menschen aus ihrem bisherigen Leben gerissen wurden. Ein Beispiel dafür ist Dr. med. Arthur Samuel. Er war ein angesehener Arzt, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft seine Approbation verlor und systematisch verfolgt wurde. Trotz seiner Anerkennung in der Gemeinde wurde ihm seine Existenzgrundlage entzogen, nur weil er Jude war. Sein Schicksal war kein Einzelfall, sondern reiht sich in die vielen Lebensgeschichten vieler Juden in Deutschland zur Zeit der NS-Herrschaft ein.

Durch den Einsatz von musikalischen Beiträgen, die alle Werke jüdischer Komponisten waren, die selbst der Shoah zum Opfer gefallen waren, wurde eine Atmosphäre des Respekts und der Würdigung geschaffen. Die eingespielten Stücke verstärkten die Wirkung der vorgetragenen Texte und ließen Raum für Stille und Nachdenken.

Besonders deutlich wurde außerdem, dass die Gedenkveranstaltung nicht nur dem Erinnern an die Opfer diente, sondern auch dazu aufforderte, Lehren für die Gegenwart zu ziehen. Gedenken bedeutet nicht nur, sich an die Vergangenheit zu erinnern. Gedenken heißt auch, zu hinterfragen, wie es zu solchen Verbrechen kommen konnte. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und wachsam zu bleiben.

Gedenken heißt ebenfalls, im eigenen Alltag nicht wegzusehen: zu intervenieren, zu handeln und nicht zu schweigen, wenn man Zeuge von Antisemitismus, Rassismus oder jeglicher Form von Diskriminierung wird.

Die Veranstaltung rief uns ins Bewusstsein, dass Erinnerungskultur nicht abgeschlossen ist, sondern eine Aufgabe bleibt, die jede Generation neu übernehmen muss.

So wurde die Gedenkveranstaltung am Beethoven-Gymnasium nicht nur zu einem Moment des stillen Erinnerns, sondern auch zu einem eindringlichen Appell an uns alle, Menschlichkeit, Respekt und Zivilcourage zu bewahren

Tilman Imhäuser Q1