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Göttin des Jugendmuts*

Was immer man für eine Position in dieser extrem kontroversen Frage bezieht. Pia jedenfalls hat tausenden Menschen das Leben gerettet. Wir saßen gebannt zuhörend in einem engen Klassenzimmer, warm, sicher. Pia Klemp, Kapitänin des Flüchtlingsrettungsschiffs Iuventa* einer Nichtregierungsorganisation (NRO), berichtete am 20. Dezember 2018 einem Q2-Sowi-Grundkurs über ihre Einsätze im Mittelmeer. Darüber, dass die EU und Italiens Regierung gegen NROs vorgehen, um deren Seenotrettung von Flüchtlingen aus Afrika zu unterbinden. Menschen, die dann aber anonym im Meer verschwinden würden. Pia steht mit anderen des Schiffs demnächst vor einem sizilianischen Gericht, hohe Haftstrafen seien möglich, letztlich aber sei dies ein politischer Prozess mit dem Ziel, NROs einzuschüchtern, die alle Normen des europäischen und internationalen Rechts auf ihrer Seite hätten.
Wir waren vorbereitet, kannten die EU als solche, ihre Flüchtlingspolitik, die Interessen und Sichtweisen von Regierungen, der Wirtschaft, der NROs, der AfD, von afrikanischen Staaten, der EU-Grenzschutzorganisation Frontex.
Pia Klemp war einseitig. Sie erlebt diese Menschen in den Booten, denen sie auf ihr Schiff geholfen hat, sie betreut sie persönlich, sie sieht sie ertrinken, sie hört ihre Berichte über die Folter, Vergewaltigungen und Erpressungen in den libyischen Flüchtlingslagern, sie kennt ihre körperlichen und seelischen Verletzungen. Sie weiß um die Vorwürfe von Regierungen, dass ihre Arbeit Schlepperbanden in die Hände spiele, zitiert Gegengutachten, hat erfahren, wie Italien - von der EU allein gelassen - von humanitärer Hilfe auf Grenzen-Zu umgeschaltet hat. Sie vertritt hart, selbstbewusst, eindeutig die Rechtsgleichheit aller Menschen, die Menschenrechte, wehrt jede Ausbeutung von Menschen durch Menschen ab, denkt daher global.
Pia war Schülerin unserer Schule. Sie ist aus den warmen, sicheren Klassenzimmern des BG den Weg zum direkten Handeln gegangen. Sie sieht unsere westliche Lebens- und Wirtschaftsweise als die Hauptursache für Lebensumstände an, die Menschen zur Flucht zwingen. Auf eine Frage aus dem Kurs formulierte sie, dass jede/jeder sich stellen, aufmerksam sein könne, einen Standpunkt gewinnen, diesen öffentlich vertreten solle. Klar dachte sie dabei an ihre Position.
Und Lucy Orth aus dem Kurs hat uns den Weg zu Pia Klemp gebahnt.