Im letzten Schuljahr hatten ein paar andere 7.-Klässler/innen und ich die Möglichkeit, an einem besonderen Projekt zwischen dem Beethoven-Gymnasium und der Stiftsschule teilzunehmen. Dabei haben Schülerinnen und Schüler unserer Schule freiwillig jüngeren Kindern aus verschiedenen Klassen Nachhilfe gegeben und Zeit mit ihnen verbracht. Für mich war das eine schöne und gleichzeitig neue Erfahrung, weil man dabei nicht nur anderen Kindern helfen konnte, sondern auch selbst einiges gelernt hat.
Die Nachhilfe fand nach dem normalen Schulalltag statt. Ein typischer Tag begann also ganz normal in unserer Schule. Nachdem der Unterricht vorbei war, ging es gemeinsam von der Schule aus zur Stiftsschule. Dort warteten schon die Kinder auf uns. Am Anfang war es manchmal ein bisschen ungewohnt, weil man die Kinder teilweise noch gar nicht kannte und erst einmal herausfinden musste, wie man am besten mit ihnen umgeht. Aber meistens dauerte es nicht lange, bis man miteinander ins Gespräch kam und die anfängliche Unsicherheit verschwunden war.
Dann haben wir ungefähr eine Stunde zusammen verbracht. Dabei war nicht jeder Tag gleich. Manchmal stand das Lernen im Vordergrund und wir haben mit den Kindern Aufgaben gemacht, gelesen oder ihnen bei Dingen geholfen, die sie noch nicht ganz verstanden hatten. An anderen Tagen haben wir auch einfach zusammen gespielt oder uns unterhalten. Gerade diese Mischung fand ich schön, weil es dadurch nicht nur wie normaler Nachhilfeunterricht war. Man konnte die Kinder besser kennenlernen und hatte gleichzeitig das Gefühl, ihnen wirklich seine Zeit zu schenken.
Natürlich war es nicht immer ganz einfach. Mit jüngeren Kindern zu lernen kann manchmal anstrengender sein, als man vorher denkt. Manche Kinder konnten sich nicht so lange konzentrieren oder hatten keine Lust, weiterzuarbeiten. Dann musste man geduldig bleiben und überlegen, wie man das Lernen etwas interessanter machen konnte. Manchmal hat es geholfen, eine kleine Pause zu machen, gemeinsam zu spielen oder die Aufgaben anders zu erklären. Dadurch habe ich gemerkt, dass man beim Helfen nicht einfach nur etwas erklären muss, sondern auch auf die Person eingehen sollte.
Besonders schön fand ich, wenn man gemerkt hat, dass ein Kind etwas plötzlich verstanden hat, bei dem es vorher Schwierigkeiten hatte. Auch kleine Fortschritte haben sich irgendwie gut angefühlt. Es war schön zu sehen, dass die gemeinsame Zeit tatsächlich etwas bringen kann. Gleichzeitig haben wir natürlich auch viel miteinander gelacht und Spaß gehabt. Gerade dadurch sind mir einige Kinder mit der Zeit wirklich ans Herz gewachsen.
Für mich war das Projekt aber nicht nur deshalb eine tolle Erfahrung, weil ich anderen Kindern helfen konnte. Ich glaube, ich habe selbst auch einiges daraus mitgenommen. Man lernt dabei zum Beispiel, geduldiger zu sein, Verantwortung zu übernehmen und besser auf andere Menschen einzugehen. Außerdem musste man selbstständig überlegen, was gerade am besten für das Kind ist. Das sind Dinge, die man nicht unbedingt im normalen Unterricht lernt, die aber später im Leben sehr hilfreich sein können.
Ich finde auch, dass solche Erfahrungen für die Zukunft wichtig sein können. Wenn man schon einmal mit jüngeren Kindern gearbeitet hat, bekommt man ein besseres Gefühl dafür, wie man mit anderen Menschen umgeht und Verantwortung übernimmt. Vielleicht merkt man dabei sogar, dass man später einmal gerne mit Kindern arbeiten möchte. Aber auch wenn man das nicht möchte, kann man aus so einem Projekt viel mitnehmen.
Deshalb würde ich das Projekt auf jeden Fall weiterempfehlen. Gerade wenn man zuerst denkt, dass es vielleicht komisch oder schwierig sein könnte, sollte man es einfach ausprobieren. Man muss auch keine perfekte Nachhilfelehrerin oder kein perfekter Nachhilfelehrer sein. Wichtig ist vor allem, dass man geduldig ist, zuhört und bereit ist, sich auf die Kinder einzulassen.
Für mich war die Zeit an der Stiftsschule eine Erfahrung, an die ich mich gerne zurückerinnere. Es war manchmal anstrengend, manchmal lustig und manchmal auch ein bisschen chaotisch, aber genau das hat es besonders gemacht. Am Ende hatte ich das Gefühl, nicht nur anderen geholfen zu haben, sondern selbst etwas gelernt zu haben.
Ich hoffe deshalb, dass auch im nächsten Jahr wieder viele Schülerinnen und Schüler aus dem Beethoven-Gymnasium bei dem Projekt mitmachen. Es lohnt sich wirklich, sich die Zeit zu nehmen und etwas für andere zu tun. Vielleicht ist man am Anfang noch etwas unsicher, aber spätestens nach den ersten gemeinsamen Stunden merkt man, wie viel Spaß es machen kann.
Für unser Engagement sind wir schließlich sogar vom Oberbürgermeister, Herrn Déus, geehrt worden.
Ruqaya Akman