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Zeitzeugengespräch mit Abraham Lehrer: „Ich bin ein deutscher Jude und kein Jude in Deutschland.“

Organisatoren des Abends

Am 28. März 2017 kam Abraham Lehrer, Mitglied des Vorstands der Synagogen-Gemeinde Köln und Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, für ein Zeitzeugengespräch über die Schoah sowie die Entwicklung jüdischen Lebens in Deutschland nach 1945 zu uns. Alle Anwesenden erhielten wertvolle Einblicke in die Familiengeschichte von Abraham Lehrer, dessen Werdegang sowie seine Einschätzung der aktuellen politischen Lage in Deutschland. An der Lebensgeschichte Lehrers wird deutlich, dass die Folgen der Schoah für viele Menschen, Juden wie Nichtjuden, auch nach 1945 noch sehr prägend gewesen sind.

1954 wird Abraham Lehrer in New York als Sohn polnischer Juden, die, anders als
ein Großteil ihrer Familien, die Schoah überlebt haben, geboren. Bereits kurz nach
seiner Geburt zieht es die Familie Lehrer wieder zurück nach Europa und sie lässt
sich in Köln nieder, wo eine befreundete Familie wohnt. Schon seit seiner Jugend engagiert sich Lehrer ehrenamtlich, anfangs als Leiter von Jugendgruppen, später im Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Eine gewöhnliche Kindheit? Auf den ersten Blick ja, aber bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass Lehrers Kindheit und Jugend stark von den Erlebnissen seiner Eltern während des Zweiten Weltkrieges geprägt ist. Zwar verschweigen ihm seine Eltern, was sein Vater im Arbeitslager und seine Mutter im Vernichtungslager Auschwitz erlebt haben, doch die Tatsache, dass seine Eltern Opfer des NS-Regimes wurden, lässt Lehrer bis heute nicht los.

Mit Anfang 50 steht Herr Lehrer in der Baracke in Auschwitz, in der seine Mutter Unaussprechliches durchstehen musste. Doch trotz aller schmerzhaften Gefühle sieht sich Lehrer heute selbstbewusst als deutscher Jude und „kölsche Jung“. Warum sind Zeitzeugengespräche so wichtig? Warum beschäftigen wir uns mit diesem düsteren Kapitel der deutschen Geschichte?

Herr Lehrer machte deutlich, dass wir nicht die Schuld für Geschehnisse in der Vergangenheit tragen, aber wohl die Verantwortung für die Entwicklungen in der Gegenwart. Er appelliert an alle Zuhörer, sich gründlich mit den Parteiprogrammen aller Parteien auseinanderzusetzen und die Verantwortung als Wähler ernst zu nehmen. Wir danken Herrn Lehrer im Namen der ganzen Schulgemeinschaft sehr für seine Zeit und seine Offenheit im Gespräch.